Influenza / Grippe

Erreger und Krankheitsbild

Die Erreger der Influenza (oder Grippe) sind Orthomyxoviren, die in die Typen A, B und C unterteilt werden. Für den Menschen sind die saisonal auftretenden Influenza A- und B-Viren besonders relevant. Diese Influenzaviren sind charakterisiert durch spikeartige Oberflächenstrukturen, die durch die Glykoproteine Hämagglutinin (HA) und Neuraminidase (NA) gebildet werden. Es sind 18 verschiedene HA und 9 NA bekannt. Influenza A-Viren werden nach Typ und Subtyp benannt, z.B. A(H3N2). Bei der Influenza B gibt es keine Subtypen, aber seit Jahren zirkulieren weltweit zwei genetisch unterschiedliche Linien (Yamagata-Linie und Victoria-Linie). Diese Unterscheidung bezieht sich, wie bei den Influenza A-Subtypen, auf die Oberflächenproteine.

Die Influenza (oder Grippe) ist eine akute Viruskrankheit, die durch Tröpfcheninfektion (Niesen oder Husten) aber auch über kontaminierte Gegenstände (Türgriffe etc.) übertragen wird. Deshalb breitet sie sich vor allem da aus, wo sich viele Menschen versammlen wie z. B. in öffentlichen Verkehrsmitteln, Schulen, Kindergärten, Arbeitstätten oder Kaufhäusern.

Typisch für die Influenza ist ein plötzlicher Krankheitsbeginn mit starkem Krankheitsgefühl, Schüttelfrost sowie Kopf- und Gliederschmerzen. Danach setzt Fieber mit Temperaturen von 39 bis 40 Grad Celsius ein. Zugleich tritt ein charakteristischer trockener Husten in den Vordergrund. Häufig klagen Betroffene außerdem über Brennen im Rachen und Schmerzen hinter dem Brustbein. Schonung und Bettruhe sind angeraten. Die Krankheit verläuft in vielen Fällen ohne Folgen. Es kann aber auch zu Komplikationen kommen. Dazu gehören akute Herz- und Kreislaufschwächen, Herzmuskelentzündungen sowie zusätzliche bakterielle Infektionen, die in schlimmen Fällen innerhalb weniger Tage zum Tod führen können. Sehr gefährdet sind Säuglinge, alte Menschen und Risikopatienten mit Vorerkrankungen.

Jedes Jahr - in unseren Breiten im Winterhalbjahr - werden mehr oder weniger schwere Grippe-Wellen (Häufung von Atemwegs-Erkrankungen bei gleichzeitiger deutlicher Zirkulation von Influenzaviren) beobachtet. Dabei wird oftmals ein großer Teil der Bevölkerung (bis zu 10 Prozent) infiziert. Die Infektionen können ohne Symptome verlaufen oder zu einer Erkrankung führen. Deren klinisches Bild kann von einem leichten akuten Atemwegsinfekt bis zur Lungenentzündung reichen.

Auch in Deutschland kommt es regelmäßig im Winter zu kleineren oder größeren Grippe- / Influenza-Wellen, meist in der Zeit von Januar bis März. Die letzte große Epidemie fand im Jahre 1995/96 statt. Auch in den Jahren 2002/03, 2004/05 und 2008/09 gab es heftige Influenzawellen mit jeweils 5 bis 6 Millionen zusätzlichen Arztkonsultationen, etwa 30.000 Krankenhauseinweisungen und etwa 15.000 zusätzlichen Todesfällen. Influenzawellen führten in Deutschland in den Jahren 1984/85 bis 2006/07 zu durchschnittlich 8.000 bis 11.000 zusätzlichen Todesfällen.

Pandemie 2009/10:Im Frühjahr 2009 kam es auf dem amerikanischen Kontinent (Mexiko und USA) zu einer Häufung von z.T. tödlich verlaufenden Atemwegserkrankungen, die durch ein neues Influenzavirus A/H1N1 hevorgerufen wurden. Nachdem sich das neue Virus auf über 50 Länder ausbreitete und für mehr als 13.000 Erkrankungen sorgte, erklärte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am 11. Juni 2009 die neue Influenza A/H1N1 zur Pandemie und rief die höchste Alarmstufe 6 aus. 12 Monate später hat die erste Influenza-Pandemie seit mehr als 40 Jahren weit weniger Opfer gefordert als befüchtet. Labordiagnostisch wurden weltweit 18.500 Influenza-Tote bestätigt (davon in der EU und EFTA: 2.650; in Deutschland 253). Ein Grund für den milden Verlauf: Viele ältere Menschen hatten Antikörper, die sie schützten.

Impfung gegen Influenza - Impfstoffe

Die Influenza-Impfstoffe werden alljährlich entsprechend der aktuellen Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hergestellt, sogenannter saisonaler Impfstoffe. Die Empfehlung berücksichtigt die aktuell weltweit zirkulierenden Influenzaviren der Typen Influenza A und B. Die Impfstoffe enthalten antigene Bestandteile von zwei Influenza A-Viren (A/H1N1 und A/H3N2) und zwei Influenza B-Viren (tetravalente Impstoffe).

In größeren Abständen (von Jahrzehnten) droht die Gefahr einer weltweiten Ausbreitung eines vollständig neuen Influenzaerregers, einer Pandemie. Dies war ab 2009 mit der "Neuen Influenza A/H1N1", auch gelegentlich als "Schweinegrippe" bezeichnet, der Fall. Zur Verhütung der weiteren Ausbreitung wurden 2009/2010 speziell gegen diesen neuen Erreger gerichtete pandemische Impfstoffe entwickelt und angewendet. Inzwischen steht fest, dass die Dramatik der Pandemie überschätzt wurde, der neue Erreger aber die bis 2009 zirkulierenden Influenza A/H1N1-Viren verdrängt hat. Deshalb enthalten die nach 2009 hergestellten saisonalen Influenza-Impfstoffe als Influenza A-Komponente das pandemische Influenza A/H1N1-Virus.

In Deutschland sind Grippe-Impfstoffe verschiedener Hersteller zugelassen. Diese Impfstoffe enthalten inaktivierte Influenzaviren oder Bestandteile von ihnen, die im Geimpften einen Schutz vor der Erkrankung hervorrufen (sog. inaktivierte oder Totimpfstoffe). Die traditionellen Impfluenza-Impfstoffe werden auf Hühnereibasis hergestellt und enthalten abgetötete Viren. Für Menschen mit einer nachgewiesenen Allergie gegen Hühnereiweiß bietet der auf Zellkulturbasis hergestellte Influenza-Impfstoff eine Alternative. Für Kinder und Jugendliche von 2 bis 17 Jahre gibt es seit 2013 auch einen tetravalenten Lebendimpfstoff, der als Nasenspray verabreicht wird. Für Menschen ab 60 Jahren steht ein Hochdosis-Impfstoff zur Verfügung, der die vierfache Antigenmenge im Vergleich zu den anderen Impfstoffen enthält und bei älteren Menschen eine etwas stärkere Immunantwort auslöst. Die Verwendung dieses Impfstoffs wird für Menschen ab 60 Jahre von der Ständigen Impfkommission empfohlen.

Die Schutzimpfung gegen Influenza muss jedes Jahr, üblicherweise im Herbst (vorzugsweise im Oktober / November), mit dem jeweils aktuellen Impfstoff erfolgen, denn Influenzaviren sich ständig ändern - mutieren - und die Zusammensetzung der im Impfstoff enthaltenen Impfviren ändert sich dementsprechend von Jahr zu Jahr.

Impfempfehlungen der STIKO

Die Influenza-Impfung wird von der Ständigen Impfkommission allen Personen empfohlen, die durch eine Influenza besonders gefährdet sind:

  • Personen ab 60 Jahre mit einem inaktivierten Hochdosis-Impfstoff, auch als Reisende
  • alle Schwangeren ab dem 2. Schwangerschaftsdrittel (bei erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens schon ab dem 1. Drittel)
  • Personen, die durch ihren Beruf täglich mit vielen Menschen in Kontakt kommen, wie zum Beispiel Busfahrer oder Lehrer
  • BewohnerInnen von Alters- oder Pflegeheimen
  • Erwachsene, Jugendliche und Kinder (ab 6 Monate) mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens wie etwa
    • chronischen Atemwegserkrankungen, chronischen Herz-Kreislauf-, Leber- und Nierenkrankheiten
    • Stoffwechselkrankheiten (z. B. Diabetes mellitus)
    • Personen mit angeborenen und erworbenen Schäden des Immunsystems (z. B. HIV-Infektion)
    • chronischen neurologischen Krankheiten (z. B. Multiple Sklerose)
  • Personen, die von ihnen betreute Risikopersonen mit Influenza anstecken könnten, bei denen aber auch selbst ein hohes Ansteckungsrisiko durch Patienten und Pflegebedürftige besteht; dazu zählen medizinisches und Personal in der Pflege alter und kranker Menschen sowie auch alle Haushaltsangehörigen der Risikoperson
  • Personen mit direktem Kontakt zu Geflügel und Wildvögeln.

Eine generelle Impfempfehlung für alle Altersgruppen besteht in Niedersachsen und Baden-Württemberg. Entsprechend den Empfehlungen der Gesundheitsbehörden kann die Impfung angeraten werden, wenn eine intensive Epidemie droht. Die Sächsische Impfkommission SIKO empfiehlt seit Januar 2010 die Grippeschutzimpfung für alle ab dem vollendeten 6. Lebensmonat.

Influenza-Impfung in der Schwangerschaft

Studien in den USA haben schon vor einiger Zeit darauf hingewiesen, dass vor allem Schwangere durch Grippe / Influenza gefährdet sind. Dies war vor allem signifikant, wenn das letzte Schwangerschaftsdrittel und die Geburt in die Influenza-Saison fielen. Daher wird in den USA schon seit längerem empfohlen, sich in den letzten sechs Schwangerschaftsmonaten impfen zu lassen. In einer Studie mit 2.000 geimpften Schwangeren erwies sich die Impfung als gut verträglich, und es konnte kein erhöhtes Risiko einer Impfkomplikation nachgewiesen werden.

Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Impfung seit Juli 2010 ebenfalls für alle Schwangeren ab dem 2. Schwangerschaftsdrittel, bei erhöhtem Risiko infolge eines Grundleidens bereits ab dem ersten Drittel. Die Impfung ist gut verträglich, Sorgen, dass die Impfung in der Schwangerschaft schädlich sein könnte, sind unbegründet. Das Gegenteil ist der Fall. Mehr

Influenza-Impfung von HIV-Patienten

Für HIV-Patienten kann bei ausgeprägtem Immundefizit eine erhöhte Gefahr durch Influenza angenommen werden. Eine jährliche Impfung gegen Influenza ist für diese Patientengruppe insbesondere bei humoraler und / oder zellulärer immunologischer Restfunktion (mit Ausnahme von schweren kombinierten Immundefekten) durchaus sinnvoll. Deshalb empfiehlt die STIKO die jährliche Influenza-Impfung HIV-Patienten ab dem 6. Lebensmonat in altersentsprechender Dosierung. Mit einer schlechteren Immunantwort ist zu rechnen, wenn die Anzahl der CD4-Zellen kleiner als 100/µl ist.

GrippeWeb

Machen Sie mit!

Willkommen bei GrippeWeb, einem Projekt des Robert-Koch-Instituts.

GrippeWeb ging im März 2011 online und ist das erste Web-Portal, das in Deutschland die Aktivität akuter Atemwegserkrankungen beobachtet und dazu Informationen aus der Bevölkerung selbst verwendet. Mit Hilfe dieser Daten werden die Informationen der Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) , mit der GrippeWeb eng zusammen arbeitet, ergänzt, denn die AGI überwacht die Aktivität akuter Atemwegserkrankungen auf der Ebene der primärärztlichen Versorgung. GrippeWeb dagegen erfasst, welcher Anteil der Gesamtbevölkerung Woche für Woche an einer akuten Atemwegsinfektion erkrankt ist und welcher Anteil mit solch einer Erkrankung eine ärztliche Praxis aufgesucht hat. Bis zum Jahresende 2014 hatte GrippeWeb bereits über 8000 registrierte Teilnehmer.